Dass Flussfahrten nicht nur für Senioren sind, bemerkten wir bereits bei unser Schnupperfahrt im Dezember 2024 von Basel nach Strasbourg. Die Mitreisenden waren altersmässig durchmischt, einzig die männlichen Begleiter deutlich in der Minderzahl.
Unser Interesse war aber geweckt und so buchten wir für Dezember 2025 eine 5-tägige Familienreise von Basel bis nach Frankfurt am Main mit Stopps in Mannheim und Baden-Baden. Ich, Dominik, war mit meiner Frau und unseren beiden Töchtern unterwegs.
Einschiffung in Frankreich
Die Einschiffung auf die MS Thurgau Gold fand aus politischen Gründen im französischen Huningue und nicht in Basel statt. Der Transfer dazu wurde aber vom Anbieter mit Bussen organisiert. Wir bezogen unsere beiden vis-à-vis gelegenen Kabinen auf dem sogenannten Hauptdeck. Das blieb nicht ganz der einzige Spezial-Ausdruck bei Flussfahrten, bezeichnet dies doch das günstigste, unterste Deck auf dem Schiff.





Klein, aber geräumig
Die 2-Bettkabinen waren trotz 14 Quadratmetern geräumig und sehr modern eingerichtet. Wie ein Blick aus den kleinen oben liegenden Fenstern verriet, lag man damit auch teilweise unter dem Wasserspiegel. Die meisten Passagier-Kabinen befinden sich auf dem Mittel- und Oberdeck, sind zwei Quadratmeter grösser und verfügen über Panorama-Fenster.
Für uns haben Ort und Ausstattung der Kabinen aber tiptop gepasst. So oder so ist auf der für 180 Passagiere ausgelegten MS Thurgau Gold alles nah beieinander. Auf unserem Deck befand sich ein von uns nicht genutzter Wellness-Bereich mit zwei Fitnessgeräten (Laufband und Bike), zwei Ruhesesseln und einer Sauna.
Im Mitteldeck befindet sich das Restaurant und auf dem Oberdeck der Panorama-Saal mit Bar. Dort sind auch die Rezeption und die Ausgänge zu finden. Auf dem Sonnendeck ist zudem noch ein Whirlpool untergebracht, dazu unzählige Sonnenliegen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt war das Sonnendeck aber mehr Aussichtspunkt während der Fahrt als ein Aufenthaltsort.
Kinderbetreuung par excellence
Kurz vor 17 Uhr ging es los auf unsere 722 Kilometer lange Reise. Eine halbe Stunde später passierten wir bereits die erste Schleuse, eine von 26 welche es über die ganze Reise sein werden. Viel Zeit für das Schauspiel blieb nicht. Es folgte die Begrüssung durch Kreuzfahrtleiter Roy Salden und dem Hotelmanager Ozren Stanojević. Um 19 Uhr bewegte sich die ganze Gäste-Schar in Richtung Restaurant. Die Kinder, aber auch wir Erwachsenen waren gespannt auf die Menü-Auswahl. Gelingt es dem Unternehmen, welche eher für 6-Gang-Galadinner bekannt ist, auch Passendes für die kleinen Gäste hervorzuzaubern? Die Frage liess sich schnell mit einem deutlichen Ja beantworten.
Im Restaurant wähnte man sich geruchsmässig bald in einem McDonald’s. Die Chicken Nuggets mit Pommes waren die begehrteste Wahl. In den nächsten Tagen wurde von den Kids aber auch bei Pizza, Pasta oder Pouletschnitzeln zugelangt. Begehrt waren auch die Dessertvarianten mit Eis plus Marshmallows oder der Apfeltorte mit Vanillesauce.
Auch die Erwachsenen kamen auf ihre Kosten. Mit angenehmen Portionen, welche auch jederzeit verkleinert oder vergrössert werden konnten, assen wir sehr fein. Zum Start am Stephanstag standen unter anderem Entenlebermousse, Kohlrabicarpaccio, Ochsenbäckli und Tobleronenmousse auf der Speisekarte.
Tolles Frühstück
Den nächsten Tag konnte man gemütlich angehen. Erst nach dem Mittag sollte man in Speyer ankommen. Das Frühstücksbuffet liess keinen Grund zum Klagen aufkommen. Am Tisch wurde man mit Kaffee und heisser Schokolade bedient, zudem konnte man noch warme Speisen wie Pancakes oder Eier Benedict bestellen. Grandios!
Unsere beiden Kinder, 9 und 11 Jahre alt, nutzten ab 10 Uhr das Angebot der beiden Schweizer Kinderbetreuerinnen. Dabei wurden Zimmerschilder und ein Schlüsselbrett gebastelt. Zudem konnte man in der zum Kinderbereich umgenutzten Brasserie im hinteren Teil des Oberdecks Brett- und Videospiele nutzen. Auch hier die volle Punktzahl für den Veranstalter Thurgau Travel.
Ein erster Halt
Die Anlagestelle beim eigentlichen Ziel in Mannheim war besetzt, so dass man einen kostenlosen Shuttle von Speyer aus angeboten bekam. Der Car-Chauffeur gab sich ganz erstaunt, ab der Gruppe mit zahlreichen Familien, ob da jetzt wirklich die Passagiere von Thurgau Travel seien.
Beim grossen Wasserturm ging unsere Erkundung auf eigene Faust los. Ein Abstecher in die Innenstadt führte uns zum Silvestermarkt, welcher aber äusserst unaufgeregt ausfiel. In einem nahen Shoppingcenter wärmten wir uns etwas auf. Es war zwar sonnig, aber die Temperaturen um den Nullpunkt herum. Nach einem Spaziergang erreichten wir den Unteren Luisenpark mit kleinem Spielplatz, welchen die Kinder in Beschlag nahmen. Durch eine Strasse unterbrochen suchten wir danach den Eingang in den anderen Teil des Parkes, welcher mit einem grösseren Spielplatz lockte. Nach gut 20 Minuten fanden wir den Eingang, stellten aber verblüfft und leicht verärgert fest, dass dieser Park über 20 Euro Eintritt kostete, zahlbar am Automaten vor Ort.





Eigentlich wollten wir auch noch dem Fernsehturm einen Besuch abstatten, entschieden uns aber aus Zeitgründen für die Rückkehr in die Innenstadt. Der Shuttlebus brachte uns mit durchmischten Eindrücken von der Stadt zurück zum Schiff.
Spezielle Getränkepreise
Es folgte um 19.30 Uhr das 4-Gang-Abendmenü. Dazu bestellten wir uns je ein Glas Wein. Die Preise dafür waren mit 6.60 Euro für zwei Deziliter sehr angenehm. Wir hatten uns bewusst gegen ein Getränkepaket entschieden, da dort auch in der Variante mit Alkohol kaum Cocktails inkludiert sind. Einzig Tages-Drink und Aperol Spritz wären dort mit dabei.
Bei den Getränkepreisen irritierte uns einzig, dass ein 3,3 dl Glasfläschchen Coca Cola mit EUR 5.10 zu Buche schlug, ein kleines Bier (3 dl) dabei aber mit EUR 4,80 günstiger war. Und auch ein Hugo war mit EUR 8.70 nicht teuer.
Zudem standen einem in der Bar jederzeit eine Kaffeemaschine inklusiven Milchgetränken und Tee sowie ein Spender für Wasser mit und ohne Kohlensäure kostenlos zur Verfügung.
Ein ganzer Tag in Frankfurt
Am Sonntagmorgen erreichten wir mit Frankfurt am Main die fünftgrösste Stadt Deutschlands. Die Stadt war von der Anlagestelle bequem zu Fuss zu erreichen. Wir liefen vorbei an der europäischen Zentralbank zum inmitten der vielen Wolkenkratzer gelegenen Main Tower. Die Sicherheitskontrolle entdeckte bei uns ein Taschenmesser, welches wir aber nach dem Besuch der 200 Meter hohen Aussichtsplattform wieder zurückerhielten. Die Sicht war noch nicht perfekt an diesem erneut kühlen Morgen, aber trotzdem sehr beeindruckend.
Nach dem Spaziergang durch die beeindruckenden Hochhaus-Schluchten stärkten wir uns in einem kleinen Café und liefen danach weiter am Gutenberg-Denkmal vorbei zum Kaiserdom. Nach dem Erklimmen der 328 Stufen durch das ziemlich enge Treppenhaus konnten wir auch von dort noch eine etwas andere Sicht auf Frankfurt geniessen. Beide Ausflüge waren mit EUR 20.- bzw. EUR 10.- für die ganze Familie sehr preiswert.







Mit Tickets aus dem Automaten ging es mit der U-Bahn zurück in den Frankfurter Hauptbahnhof. Hier waren dann auch ein paar Einkaufsläden geöffnet. Von dort ging es mit einem viertelstündigen Fussmarsch zurück zum Schiff, gerade noch rechtzeitig fürs Mittagessen. So konnten wir den Light-Lunch ausprobieren. Im Panorama-Saal gab es Salate, belegte Brote, Teigwaren und ein Dessert vom Buffet. Auf der Reise hatten wir am Mittag jeweils die Wahl, ob wir im Restaurant einkehrten oder uns das Buffet genügte.
Durchgehendes Ess-Programm
Die Entscheidung heute war umso einfacher, als ab 16 Uhr bereits die sogenannte High-Tea-Team angekündigt war. Wieder so ein Ausdruck, welcher nichts anderes als ein grosses Dessertbuffet für alle ankündigte, welches einmalig pro Reise angeboten wird. Kurz nach 17 Uhr setzte die Thurgau Gold bei schönster Abendstimmung ihre Reise fort.

Am Abend erwartete uns ein 6-Gang-Galamenü. Die Kinder hatten mit der Kinderbetreuung die Gelegenheit ihre Fingernägel anzumalen. Eine Tochter konnte sich sogar die Haare machen lassen. Auch wir Erwachsenen machten uns schick für den Abend. Die Kinder bastelten zudem noch Tisch-Dekorationen fürs Restaurant.
Alles am Gala-Abend war sehr fein: Lachs-Spinat-Rolle, gebratene Dorade oder das Black-Angus Rinderrückensteak um nur ein paar Gänge zu erwähnen. Der Service kam zu Beginn wohl mit der grossen Zahl an Kindermenüs etwas ins Stocken. Aber rechtzeitig um 21 Uhr waren wir mit dem Essen fertig und bereit für das Musik-Quiz im Panorama-Saal. Kreuzfahrtleiter Roy führte kurzweilig durch die erweiterte Musikauswahl. Die Erwachsene freuten sich über einen alkoholischen Schlumi, die Kids über einen Virgin Colada.
Kostspieliger Ausflug
Der Dienstagmorgen liess uns entspannen. Die Kids waren begeistert wieder in der Kinderbetreuung und bastelten unter anderem Arm-Kettelis. Das Schiff suchte sich erstmals auf dieser Reise im Nebel seinen Weg dem Rhein entlang.

Am Nachmittag fand der Ausflug nach Baden-Baden statt. Auch hier wieder so eine Eigenheit der Flussschifffahrten. Im Reiseprogramm als Destination der Reise angekündigt und mit einem kleinen Hinweis versehen, dass der Transfer im Ausflugspaket enthalten sei. Im Umkehrschluss hiess dies, dass man den Transfer ohne Ausflugspaket bezahlen musste. Mit 44 Euro pro Person – auch für die Kinder – kam uns der Ausflug mit je einer gut 40-minütigen Carfahrt (Hin- und Rückweg) auf 176 Euro zu stehen. Alternativ konnte man nur auf dem Schiff bleiben und die Destination auslassen. Ein Ausstieg und Ausflug auf eigene Faust war nicht möglich, da das Schiff uns in Plittersdorf auslud, dann weiterfuhr und uns in Kehl wieder an Bord nahm.
Für die Zukunft wissen wir nun, dass das Reiseprogramm genau gelesen werden muss, um zu wissen, wo man selbst an Land kann und wo nicht. Dem stimmungsvollen Ausflug in die Schwarzwälder Kurstadt tat dies allerdings keinen Abbruch. In Baden-Baden herrschte nämlich auch am 28. Dezember noch Weihnachtsstimmung. Auf dem Christkindelmarkt rundum um das Kurhaus herrschte Grossandrang. Die Temperaturen waren trotz Sonnenschein nochmals eisiger als an den Vortagen. Heisse Getränke wärmten uns etwas auf. Noch vom Mittagessen am Buffet gestärkt, genügte uns dazu etwas Süsses. Auch eine Krippenausstellung bei der Trinkhalle schauten wir uns an, bevor es in die Innenstadt ging.




Dort wärmten wir uns in einem Shopping-Zentrum etwas auf. Ein Spaziergang führte uns langsam zurück zur Haltestelle unseres Cars. Der Ausflug war schön, aber kühl.
Der letzte Abend
Zurück auf dem Schiff war es schon bald Zeit fürs Abendessen – schon das Letzte. Für die Kinder fand noch ein Filmabend mit «Ice Age 5» statt. Wir begannen zu packen, waren danach aber noch bis halb Elf in der Bar und genossen den letzten Abend.
Am Morgen waren wir bereits um 8 Uhr in Huningue. Nach einem grossen Frühstück verliessen wir um 9.15 Uhr das Schiff und wurden direkt an den Hauptbahnhof Basel gefahren. Um 10.07 Uhr setzte sich bereits unser Zug zurück nach Hause in Bewegung.
Fazit: eine zweite Familienreise liegt drin
Eine erlebnisreiche Flussfahrt lag hinter uns. Allen hat es sehr gut gefallen – sogar die Kids würden das Abenteuer gerne wiederholen. Zu den Kosten für den Baden-Baden Ausflug, kam auch noch eine Trinkgeld-Empfehlung über 10 Euro pro Tag und Person hinzu, welche wir aber gerne ins Couvert legten. Die Betreuung war hervorragend. Das Personal kümmerte sich aufmerksam und freundlich um uns.
Auch mit den zusätzlichen Ausgaben war das Preis-/Leistungsverhältnis der Reise sehr gut. Für die Kabinen «nur» auf dem Hauptdeck waren die Kosten je 590 Franken. Die Kinder reisten kostenlos mit, dazu kamen noch Frühbucher und ein «Es hed solangs hed»-Rabatt. Unglaublich für das viele Essen, Hotellerie und Transfers!



